Auswandern Schritt für Schritt - Teil 1: Was zu tun ist und euch mental erwartet
Eine Auswanderung ist mehr als ein Umzug. Es ist ein großer Schritt, der das Leben organisatorisch und emotional komplett auf den Kopf stellt. Viele konzentrieren sich dabei zunächst auf ihre To-Do-Listen: Visum, Wohnung oder Verträge kündigen. Doch mindestens genauso wichtig sind die mentalen Herausforderungen, die jede Expat-Erfahrung mit sich bringt.
Dieser Blog-Beitrag soll dir einen groben Überblick über einzelne Phasen und mögliche Schritte einer Auswanderung geben. Diese Auflistung ist keineswegs vollständig, noch folgt jede Auswanderung dem gleichen Plan. Jede Situation ist individuell und sollte als solche näher angeschaut werden.
Besonders die Abendstunden in der Marina Bay sind magisch und absolut zu empfehlen.
Vorbereitungsphase
Vorbereitung der Auswanderung
In dieser Phase trefft ihr als Familie die Entscheidung nach Singapur zu gehen. Die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber werden begonnen und Ihr verständigt euch über ein mögliches Ausreisedatum. Ihr beginnt über den passenden Aufenthaltsstatus und den damit verbundenen Visas zu sprechen. In einer ersten Recherchearbeit informiert ihr euch zB über Klima, Lebenshaltungskosten, die Kultur in Singapur, Betreuungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder und vielleicht die Arbeitsmentalität vor Ort.
Es dominiert die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer. Alles ist aufregend und ungewiss. Damit schleichen sich aber auch erste Sorgen ein: "Ist es die richtige Entscheidung?", "Wie wird das Leben in Singapur wirklich sein?", "Wie werden es die Kinder verkraften?". Nehmt euch die Zeit, um euch mit diesen Unsicherheiten auseinanderzusetzen. Sprecht nach Möglichkeit mit anderen Auswanderern oder dem engen Umfeld darüber, um den Schritt ins Ungewisse zu bekräftigen.
Für mich und meine Familie stand die Entscheidung schnell fest. Es war unser Wunsch einmal für längere Zeit im Ausland zu leben und als die Chance kam, haben wir sie sofort ergriffen. Andere tun sich schwerer mit solch einer einschneidenden Veränderung und brauchen mehr Entscheidungszeit. Beides ist ok. Ein Planungshorizont von 12 bis 18 Monaten wäre ideal. Manchmal muss es bedingt durch den Arbeitgeber auch deutlich schneller gehen.
Organisation der Auswanderung
Nun ist es an der Zeit alles zu regeln und Stück für Stück Abschied zu nehmen. Mir hat es damals sehr geholfen unseren Umzug nach Singapur als Projekt mit vielen Teilschritten aufzusetzen und konkrete next steps immer parat zu haben.
Nächste To-Dos in dieser Phase sind ua über euren Wohnraum zu entscheiden. Soll das aktuelle zu Hause gekündigt, untervermietet oder sogar verkauft werden? Welche Verträge können bestehen bleiben, welche müssen umgemeldet, eingefroren oder aufgelöst werden? Welches Umzugsunternehmen begleitet euch und wie viele Tage müssen dafür eingeplant werden? Wie lange werden eure Sachen nachher unterwegs sein?
Auch beim Thema Finanzen gibt es Einiges zu bedenken. Was verbleibt in Deutschland, welche finanziellen Mittel sollen in Singapur verfügbar sein und welche sind dafür die richtigen Finanzdienstleister?
Je konkreter die Planung wird, desto gemischter sind die Gefühle. Da ist einerseits Freude auf das Neue, aber andererseits auch Traurigkeit darüber das aktuelle zu Hause sowie Freunde und Familie zurück zu lassen. Abschiede werden real und ihr solltet sie bewusst gestalten. Trefft euch mit Freunden, verabschiedet geliebte Orten und organisiert ggf einen Farewell. Das wird dabei helfen den Übergang aktiv zu verarbeiten.
Übergangsphase
Abreise: die letzte Zeit vor dem Umzug
Es wird ernst. Der Stresspegel ist kurz vor Verlassen des alten Zuhauses hoch und es gibt viele kleine und große Dinge zu erledigen. Koffer packen, Dokumente digitalisieren, ggf Abmeldung bei Dienstleistern und Behörden, Postnachsendung und noch so viel mehr.
Die Zeit scheint zu rasen und ihr funktioniert auf Autopilot. Solltet ihr bisher noch keinen groben Ablaufplan dafür haben, erstellt ihn spätestens jetzt um den Überblick zu behalten. Wenn es zeitlich knapp wird, scheut euch nicht davor Hilfe zu holen!
'“Was machen wir hier?”, “Ist das wirklich alles richtig und eine gute Entscheidung für die Familie?”. Erlaubt euch bewusst Pausen und erinnert euch daran, warum ihr diesen Schritt geht. So lassen sich der Abschiedsschmerz und Zweifel besser verarbeiten.
Meine Familie und ich sind damals in eine Erkältungswelle geraten und nacheinander lagen alle komplett flach. Wir haben jede Unterstützung dankend angenommen. Und eigentlich geplante Dinge mussten ausfallen. Wer dich in dieser besonderen Situation unterstützt, wird dir noch lange im Gedächtnis bleiben!
Ankunft in Singapur - das neue Leben beginnt
Die Ankunft in Singapur werdet ihr wahrscheinlich nie vergessen. Mit viel mehr Koffern und Gepäck als sonst im Schlepptau bezieht ihr mit großer Wahrscheinlichkeit erstmal ein Übergangs-zu-Hause. Bitte nehmt euch ein paar Tage oder sogar länger Zeit, um gemeinsam in eurer neuen Umgebung anzukommen.
Dann geht es auch schon wieder los mit dem Abarbeiten der Aufgabenlisten. Sim-Karten besorgen, Wohnung oder Haus finden, Anmeldung, Bankkonten eröffnen, Versicherungen abschließen und den Alltag neu organisieren. Arbeitskollegen und die Abläufe kennenlernen. Die Kinder an die neue Betreuungssituation heranführen.
Eingewöhnungsphase und Integrationsphase
In den ersten Wochen ist alles aufregend und neu. Euphorie und Entdeckerfreude können sich mit dem ersten Kulturschock mischen. Eigentlich alltägliche Aufgaben fühlen sich plötzlich schwierig an. Überforderung und auch das Gefühl der Einsamkeit sind ganz normal. Gib dir Zeit und suche dir so schnell wie möglich Kontakt zu anderen Expats oder Locals, um Anschluss und Ablenkung zu finden.
Ankommen in Singapur und Alltag etablieren
Schließlich beginnt ihr euch einzuleben und ein Netzwerk aufzubauen. Findet erste Hobbys oder Dinge, die besonders viel Freude bereiten. Der neue Arbeits-, Schul- und/oder Kitaalltag werden zur Routine. Erste Bekanntschaften verfestigen sich. Das Tägliche wird langsam stabiler, ihr beginnt euch wohler und weniger fremd zu fühlen.
Doch seid mild zu euch und gebt dem Ganzen Zeit. Es bleibt ein Prozess und wird sich im Laufe der Zeit immer weiter oder mal wieder verändern. Jeder braucht unterschiedlich viel Zeit, um sich wirklich angekommen zu fühlen. Zwischen 6 und 12 Monaten kann diese Phase dauern. Bei Kindern sogar länger. Feiert die Erfolge - unglaublich was ihr jetzt schon alles geschafft habt!
Es ist außerdem möglich, dass sich hin und wieder das Gefühl einschleicht - “Wo gehöre ich eigentlich jetzt hin?” oder “Wer bin ich hier?”. Auch diese Identitätskrise gehört in einem komplett neuen Umfeld dazu und ist somit ganz menschlich.
Auswandern ist ein Prozess, der organisatorisch und emotional Zeit und Energie kostet. Es ist völlig normal, dass dabei nicht alles glatt läuft. Wir hatten unseren persönlichen Schockmoment, als wir fast 1,5 Monate nach unserer Ankunft erfahren haben, dass unser Container noch nicht einmal Deutschland verlassen hat… - du bist nicht allein!

