Leben mit einer Live-in-Helperin - Chancen und Herausforderungen

Sobald du dich mit den ersten Expats zum Thema Leben in Singapur austauschst, dauert es nicht lange und das Gespräch führt zu dem Thema Helperin - Ja oder Nein? Doch was bedeutet es überhaupt eine Helferin zu Hause zu haben? Denn oftmals ist uns das Konzept noch völlig fremd. Dieser Blogbeitrag schlaut dich auf und setzt sich gleichzeitig mit den Vor- und Nachteilen einer Live-In-Helperin auseinander.

So unterschiedlich, wie man in Singapur wohnen kann, sind auch die Stimmen über das Zusammenleben mit einer Helferin.

Was ist eine Live-in-Helperin?

Eine Live-in-Helperin ist eine Haushaltshilfe, die im selben Haushalt wohnt und die Familie bei verschiedenen Themen des Alltags unterstützt. Besonders in Singapur ist es sehr verbreitet, eine solche Hilfe zu beschäftigen. Sie übernimmt typischerweise Aufgaben wie Putzen, Kochen, Wäsche waschen, Einkaufen, Kinderbetreuung und wenn vorhanden auch die Versorgung von Haustieren.

Die Helferinnen sind weiblich und kommen aus anderen asiatischen Ländern. Die häufigsten Herkunftsländer sind: Philippinen, Indonesien und Myanmar. Viele von Ihnen sind über Agenturen nach Singapur vermittelt worden, um hier zu arbeiten und ihre Familien in der Heimat finanziell zu unterstützen. Oft wird der Großteil ihres Einkommens in die Heimatländer gesendet und leistet dort einen erheblichen Beitrag zur lokalen Wirtschaft.

Während Indonesierinnen aktuell die größte Gruppe an Haushaltshilfen darstellen, sind Filipinas bei den Arbeitgebern noch beliebter. Viele von Ihnen sprechen Englisch als Zweitsprache, was die Kommunikation erleichtert und Missverständnisse reduziert. Philippinische Haushaltshilfen haben zudem formale Schulungen in Kinderbetreuung und Haushaltsmanagement absolviert.

Insgesamt leben etwa 300000 migrantische Haushaltshilfen in Singapur.


Wie kommt man zu einer Live-In-Helperin?

Als westlich geprägter Expat stellt man das Konzept oft zunächst in Frage, da es für uns so unbekannt ist. Nach Abwägung der zukünftigen Arbeits- und Lebenssituation der Familie und oft auch nach Anzahl der Kinder, wird es dann aber doch schnell interessant eine Vollzeit-Hilfe anzustellen.

Folgende Wege gibt es, um eine Haushaltshilfe zu beschäftigen:

  1. Über lizenzierte Agenturen

    Die meisten Familien in Singapur wenden sich an spezialisierte Agenturen, die passende Kandidatinnen nach einer Vorauswahl vermitteln und den Papierkram wie Arbeitserlaubnis, Versicherung und Vorbereitung der Helferin übernehmen. Dabei fallen zusätzliche Kosten für die Vermittlung an.

  2. Transfer - Wechsel innerhalb Singapurs

    Manche Familien übernehmen den Bewerbungsprozess und die Formalitäten selbst. Das ist über Online-Plattformen wie "HelperChoice" oder "WeAreCaring" möglich. Das kann günstiger, aber auch aufwendiger sein.

  3. Empfehlungen

    Endet der Vertrag einer Helperin sucht sie häufig innerhalb Singapurs nach einer neuen Familie. Hier sind oft Empfehlungen aus dem Freundeskreis oder aus Social Media-Gruppen hilfreich. Oftmals suchen sehr zufriedene Expat-Familien auch aktiv nach einer neuen Familie für ihre Hilfe und vermitteln gern den Kontakt.


Solltet ihr euch für eine Live-In-Helperin entscheiden, werdet ihr damit zum Arbeitgeber. Es entstehen Rechte und Pflichten auf beiden Seiten und ihr tragt die volle Verantwortung für euer temporäres Familienmitglied. Ihr schließt einen Vertrag über die grundlegenden, gegenseitigen Vereinbarungen und eure Hilfe wird fortan euer zu Hause mit euch teilen.


Kosten für eine Helferin

Die regelmäßigen Kosten für eure Haushaltshilfe ergeben sich aus den vertraglichen Regelungen und setzten sich aus mehreren fixen und variablen Bestandteilen zusammen. Sie unterscheiden sich außerdem nach Herkunftsland, Qualifikation und Erfahrung der favourisierten Hilfe. Auf den Monat heruntergebrochen könnte das dann zB so aussehen:
 

  • Zahlung eines monatlichen Gehalts (typisch zwischen 600 und 900 SGD)

  • Sicherstellung von Unterkunft und Verpflegung (etwa 200 bis 300 SGD)

  • Steuerliche Abgaben (60 bis 300 SGD)

  • Abschluss einer Krankenversicherung (30 bis 60 SGD)

  • Regelmäßige, medizinische Untersuchungen (20 bis 50 SGD)

  • Besuch des Heimatlandes (30 bis 50 SGD)

Neben der Anfangsinvestition für die Suche einer geeigneten Hilfe, Steuerzahlungen und dem Gehalt entstehen euch also noch weitere Kosten. Einige Familien vereinbaren außerdem zusätzliche Sonderzahlungen wie einem Bonus. Weitere Ausgaben sind die Regel und sollten einkalkuliert werden. Ihr solltet aber mindestens mit 1000 SGD monatlich rechnen. In der Praxis eher deutlich mehr. Bitte informiert euch vorab deshalb genau, welche Kosten tatsächlich auf euch zukommen.


Vorteile am Zusammenleben mit einer Vollzeithilfe

Eine Live-in-Helperin übernimmt viele Haushaltsaufgaben und unterstützt bei der Kinderbetreuung. Besonders wenn ein Elternteil viel arbeitet und vielleicht sogar zusätzlich regelmäßig reist oder beide Eltern berufstätig sind, kann das eine große Erleichterung im Familienalltag sein.

Auch spontane Hilfe zB bei Krankheit, kurzfristigen Meetings oder Wochenendterminen ist sofort verfügbar. Ein weiterer Pluspunkt, soweit entfernt von Großeltern und dem bisherigen Netzwerk.

Eine Helferin kann die Kinderbetreuung verlässlich und zusätzlich zu Schule oder Kita unterstützen. Helferinnen holen oft die Kinder von den Einrichtungen ab und begleiten sie auch zu Freizeitaktivitäten. Ein riesiger Vorteil, um Betreuungszeiten zu überbrücken und für Familien mit mehreren Kindern.

Weniger Haushaltsstress und Entlastung im Alltag bedeutet letztlich mehr Zeit für die Familie, als Paar, die Freizeit oder den eigenen Job.

Die Kosten sind im Vergleich zu anderen Ländern und im Verhältnis zu den erzielten Gehältern in Singapur relativ gering.


Mögliche Nachteile

Eine bisher fremde Person wohnt dauerhaft im eigenen Zuhause. Besonders in kleineren Wohnungen kann das als Einschränkung empfunden werden. 

Man trägt nicht nur die Verantwortung den geschlossenen Vertrag einzuhalten, sondern eben auch für einen Menschen, weit entfernt von seinem eigenen zu Hause.

Unterschiedliche Prägungen und damit Erwartungen an Erziehung, Essgewohnheiten, Sauberkeit und Privatsphäre können zu Missverständnissen führen. Eine klare, respektvolle Kommunikation ist von Beginn an entscheidend.

Schließlich kann man sich sehr schnell an die Unterstützung gewöhnen und ein plötzlicher Wechsel, Rückzug oder Krankheit der Helferin können zu großen Herausforderungen führen.

Ich habe mich mit meiner Familie gegen eine Vollzeit-Hilfe entschieden. Wir haben uns aber dennoch von Beginn an regelmäßige Unterstützung im Haushalt durch eine Teilzeit-Hilfe geholt. Hierfür gibt es zB Plattformen wie Helpling, die ihr vielleicht schon aus Deutschland kennt, aber auch weitere Alternativen.
Gerne teile ich in einem persönlichen Gespräch noch mehr Details und Erfahrungen aus meinem Umfeld, wäge Vor- und Nachteile gemeinsam mit dir ab und helfe dir zu einer Entscheidung und deinen nächsten Schritten.

Bestandteil meiner Beratungspakete ist unter anderem eine Checkliste zur Entscheidungsfindung.


Ein Live-in-Helper kann eine große Entlastung sein - vor allem für Familien mit kleinen oder mehreren Kindern, da sie das bisherige (familiäre) Netzwerk ersetzen. Die Entscheidung sollte jedoch gut überlegt sein, da sie nicht nur praktische Vorteile mit sich bringt, sondern auch das eigene Familienleben dauerhaft beeinflusst.

Wenn ihr euch dafür entscheidet, ist Vertrauen, Wertschätzung und klare Kommunikation die Basis für eine gute Zusammenarbeit. Es braucht eure Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und das eigene Zuhause zu teilen.

Du hast dazu noch Fragen? oder bist unsicher, ob eine Live-in-Helperin zu eurer Familie passt?

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